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Rating ist besser als Raten !?

Blog von Markus Luthe zur Bankenkrise vom 12. Oktober 2008

Eine erneut turbulente Woche an den internationalen Finanzmärkten geht zu Ende. Ein kurzer Zeitpunkt zum Verschnaufen, zum Besinnen. Banken haben sich im scheinbaren Nichts aufgelöst oder mussten mit 12stelligen (!) Beträgen beliebiger Währungen vom Steuerzahler stabilisiert werden. Und die deutsche Staatsbank KfW blamiert sich, indem sie mal eben 319 Mio. Euro in den Lehman-Strudel versenkt. Die Bankenwelt ist aus den Fugen geraten und hat eine reale Bewährungsprobe für unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ausgelöst.

Werte werden ohne erkennbare wirtschaftliche Notwendigkeit vernichtet und die Fieberkurven der Börsen befinden sich auf Talfahrt. So stehen beispielsweise Dow Jones und DAX® nur noch bei gut zwei Drittel ihres Niveaus von Anfang 2007. Noch stärker hat es die börsennotierte, international tätige Hotellerie getroffen: Unser IHA-Hotelaktienindex steht bei Börsenschluss am 10. Oktober 2008 bei 45,9 (Index am 3. Januar 2007 = 100). Der Hotellerie droht der Zangengriff von knapper werdenden Refinanzierungsressourcen und nachlassender Konjunktur, auch wenn der mittelständisch geprägte Hotelmarkt in Deutschland sich im internationalen Vergleich als relativ resistenter erweisen dürfte.

 

Unternehmen

Börse

Kurswert
03.01.2007

Kurs
10.10.2008

Indexwert
am 10.10.2008
(03.01.2007 = 100)

Accor S.A.

Paris

59,05 EUR

29,86 EUR

50,5

Choice Hotel

New York

42,22 USD

14,88 USD

35,2

Design Hotels AG

Frankfurt

1,23 EUR

1,00 EUR

81,3

IFA Hotel & Touristik AG

Frankfurt

9,00 EUR

6,50 EUR

72,2

InterContinental Hotels Group Plc.

Frankfurt

18,00 EUR

7,46 EUR

41,4

Mandarin Oriental International Ltd.

NASDAQ

17,15 USD

7,20 USD

42,0

Marriott International

Frankfurt

35,89 EUR

12,59 EUR

35,2

NH Hoteles S.A.

Frankfurt

15,01 EUR

8,62 EUR

57,4

Park Plaza Hotels Ltd.

Frankfurt

6,45 EUR

2,20 EUR

34,1

Rezidor Hotel Group

Berlin

6,39 EUR

1,80 EUR

28,2

Sol Meliá S.A.

Frankfurt

15,32 EUR

4,76 EUR

31,1

Starwood Hotels & Resorts

New York

62,30 USD

20,35 USD

32,7

 

 

 

 

 

Hotel.de AG

Frankfurt

22,00 EUR

13,50 EUR

61,4

TUI AG

Frankfurt

15,19 EUR

8,95 EUR

58,9

 

 

 

 

 

Dow Jones

New York

12.429,10

8.579,19

69,0

DAX® Deutscher Aktienindex

XETRA

6.681,13

4.447,60

66,6

IHA-Hotelaktienindex

-

-

-

45,9

 

Wie konnte es so weit kommen, dass sich Banken so hemmungslos als „Zocker“ mit fremdem Geld betätigten, ihre eigenen Produkte nicht mehr verstanden und so die Krise selbst auslösten?

 

Ein Blick zurück: Im Jahr 2002 wurden weltweit neue Eigenkapital-Richtlinien für Banken unter dem Stichwort „Basel II“ politisch diskutiert. Ratings sollten die vermeintlichen schlechten Risiken der Kreditnehmer identifizieren helfen. Es wurden massive Nachteile für den kreditfinanzierten deutschen Mittelstand befürchtet.

 

Als erster Branchenverband in Deutschland überhaupt beschloss der Hotelverband Deutschland (IHA), seine Mitglieder proaktiv auf die neuen Herausforderungen vorzubereiten, legte noch 2002 mit starken Projektpartnern einen Leitfaden „Hotellerie-Rating“ auf, brachte eine CD-ROM für ein erstes Eigen-Screening heraus, organisierte Rating-Workshops und ließ professionelle Pilot-Ratings bei mittelständischen Hoteliers durchführen, um seine Mitglieder fit für den Kredit zu machen. 

Goutiert wurde unsere vorbildliche Initiative von den Banken allerdings nicht. Aber wer hätte sich damals schon vorstellen können, dass es die Geldhäuser selbst sein würden, die wie jetzt geschehen ihre eigene Existenz „verbaseln“, sich nicht an die Spielregeln halten?

 

„Rating ist besser als Raten!“ hieß die Devise, die dem deutschen Mittelstand entgegenhallte, als insbesondere die Geschäftsbanken dem deutschen Mittelstand den Kredithahn zudrehten. Und umso ungeprüfter und ungenierter investierten sie in ihrem Renditewahn zeitgleich in minderwertige amerikanische Immobilienkredite. Und das ohne ausreichende Eigenkapitalunterlegung und oftmals auch noch gleich außerhalb der Bankbilanzen. Die USA ratifizierten denn Basel II schon erst gar nicht – wozu auch? Jetzt infizierte diese Hybris die Finanzmärkte weltweit.

 

Langfristige Darlehen werden langfristig und somit fristenkongruent refinanziert, so lautet die Goldene Bankregel, die ich im Studium noch verinnerlichen durfte. Hätte sich die Depfa, die irische Tochter der deutschen Hypo Real Estate mal an die Binsenweisheiten des Business gehalten…

 

Unglaublich ist dieses Fehlverhalten und auch unglaublich ärgerlich.

 


Ihr
Markus Luthe
  



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